Wirtschaft
Ungarn ist ein Binnenstaat im Herzen Europas. Wegen seines weiten flachen Landes von großer Fruchtbarkeit (Große Ungarische Tiefebene) dominierte vor dem Zweiten Weltkrieg noch die Agrarwirtschaft gegenüber der Industrie. Ungarns zentrale geografische Lage und das geringe Vorkommen von Bodenschätzen bestimmen den traditionell hohen Stellenwert des Außenhandels.
1968 war Ungarn das erste ostmitteleuropäische Land, das – im Zeichen des “Neuen Ökonomischen Mechanismus” – zu politischen und wirtschaftlichen Reformen ansetzte. Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre wurden grundlegende Gesetze für das Bankwesen, ausländische Investitionen, Gründung von Unternehmen, Wettbewerb, Arbeit und geistiges Eigentum geschaffen. Import, Preise und Löhne wurden liberalisiert.
Ungarn war auch das erste Land der Region, das die Privatisierung der Wirtschaft auf Marktbasis betrieb (einschließlich strategischer Sektoren wie Energie und Bankwesen) und große öffentliche Bereiche wie das Gesundheits- und das Bildungswesen reformierte. Die ausländischen Direktinvestitionen nahmen schnell zu.
1996 wurde die ungarische Währung konvertierbar. Im selben Jahr wurde Ungarn Mitglied der OECD. Ende der neunziger Jahre kam die Privatisierung praktisch zum Abschluss; weniger als 20% des früheren Staatsvermögens, hauptsächlich strategische Industriezweige, blieben in staatlicher Hand. Im Mai 2004 trat Ungarn der Europäischen Union bei.
Ausländische Investitionen in Ungarn, ausländisches Eigtentum in ungarischen Firmen haben ein hohes Ausmaß erreicht. Die Summe der ausländischen Direktinvestitionen seit 1989 liegt über 60 Milliarden EUR (80 Milliarden $). Zu den anziehenden Faktoren gehören das Angebot an gut ausgebildeten und verhältnismäßig billigen Arbeitskräften, Steuervergünstigungen, eine moderne Infrastruktur und ein gutes Telekommunikationsnetz.
Treibende Kräfte des Wirtschaftswachstums sind der Export und die Investitionen. Ersterer hat zwischen 2001 und 2008 – bei gleichzeitigen günstigen Struktur – außerdordentlich zugenommen (11,5%). Nach 1998 erlebten die technologieintensiven, mit hoher Wertschöpfung verbundenen Sektoren wie Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Informations- und Telekommunikationstechnik einen starken Aufschwung.
2006 verlangsamte sich Ungarns wirtschaftliche Entwicklung, das BIP-Wachstum blieb unter 4%. Die Konsolidierung des Staatshauhalts ist in den Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik gerückt. Mit einem Sparprogramm ist das hohe Budgetdefizit reduziert worden, aber die Reformen haben den Inlandsverbrauch geschwächt. Das Wachstum verringerte sich 2007 auf weniger als 2%, 2008 auf 0,6%.
Globale Krise
Ungarn hat eine offene Wirtschaft, die zu einem bedeutenden Teil von der Ausfuhr lebt. Deshalb haben die weltweite Rezession und der Nachfragerückgang auf den wichtigen Exportmärkten besonders empfindliche Auswirkungen gehabt. Stark betroffen sind exportorientierte Bereiche wie die Autoindustrie und die Verbraucherelektronik-Branche.
Im Jahr 2009 schrumpfte die Wirtschaft um 6,3%. Dies war hauptsächlich auf drei Faktoren zurückzuführen: Erstens auf den Rückgang der Leistung der Landwirtschaft, die 2008 ein überragendes Ergebnis verzeichnet hatte; zweitens auf die bereits 2008 einsetzende, immer schneller werdende Talfahrt des restlichen Teils der Wirtschaft; drittens auf den Auftragsschwund der Bauiindustrie, der schon zwei Jahre zuvor begonnen hatte und sich 2009 fortsetzte (allerdings nur um 5%).
Ähnlich wie die Wirtschaft der EU macht auch die ungarische in diesem Jahr eine Stagnationsphase durch. Das stärkste Wachstum – mit 3,5% – wird voraussichtlich in der Industrie erzielt werden. Infolge des Überangebots an Arbeitskräften wird der Bruttoverdienst, auch unter Beachtung der Einkommensteuersenkung, nur leicht, etwa um 1%, steigen. Für die Leistungsbilanz wird ein Überschuss erwartet. Das Haushaltsdefizit erhöht sich auf 4-5%. Letzteres hängt auch von der Politik der nächsten Regierung ab,
Ende 2009 konnte die Finanzkrise unter Kontrolle gebracht werden, und allmählich begann sich die Wirtschaft zu erholen. Im Herbst 2009 änderte Standard & Poor’s den Ausblick des Kreditratings des ungarischen Staates von negativ in positiv, als “Zeichen, dass eines der am härtesten von der Finanzkrise betroffenen Länder auf dem Weg der Besserung” sei.
In einer Analyse der J.P. Morgan (Michael Marrese, Direktor Wirtschaftsforschung und Strategie für die Wachstumsregion CEEMA: “The Convergence of CEEMA Countries as Optimism on Global Growth Improves” ) wird festgestellt, dass Ungarns mindere Leistung zum größten Teil auf die strengen Kreditbedingungen und den haushaltspolitischen Sparkurs zurückzuführen sei. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass sich der zyklisch bereinigte Saldo des Primärhaushalts in den vergangenen zwei Jahren um 4,5% des BIP verbessert hat. Infolge dessen befinde sich Ungarn in der einzigartigen Position, dass es während der Wachstumserholung zu keiner verschärften Sparpolitik gezwungen ist, weil sich die mittelfristigen Wachstumsaussichten ausgesprochen günstig darstellen.
BIP (nach Kaufkraftparität): EUR 158 Milliarden (2008)
BIP (amtlicher Wechselkurs): EUR 105,6 Milliarden (2008)
BIP – reale Zuwachsrate: -6,9% (Q3 2009)
BIP – pro Kopf (PPP): EUR 15.742 (2008)
BIP – Verteilung nach Sektoren: Landwirtschaft: 4,3%, Industrie: 29,5%, Dienstleistungen: 66,8% (2008)
Gemeldete Arbeitskräfte: 4,2 Millionen
Arbeitskräfte – nach Sektoren: Landwirtschaft: 3,18%, Industrie: 30,2%, Dienstleistungen: 66,8% (2008)
Arbeitslosenrate: 10,5% (September-November 2009)
Inflationsrate (Verbraucherpreis): 4,2% (2009)
Bruttoanlageinvestitionen: 20,9% des BIP (2008)
Haushaltseinnahmen: EUR 48,35 Milliarden, Ausgaben: EUR 51,78 Milliarden (2009)
Bruttoauslandsverschuldung: 78,4% des BIP (November 2009)
Landwirtschaft – Produkte: Weizen, Getreide, Sonnenblumenkerne, Kartoffeln, Zuckerrüben, Schweine, Rinder, Geflügel, Milchprodukte
Industrien: Hüttenwesen, Baustoffindustrie, Lebensmittelindustrie, Textilindustrie, chemische Industrie (insbesondere Pharmaindustrie), Automobilindustrie, IT, Elektronik, Software

Stand der kumulierten ausländischen Direktinvestitionen in Ungarn
Wachstum der Industrieproduktion: 3,4% (2008), -9,3 (November 2009)
Stand der ausländischen Direktinvestitionen - im Inland: EUR 59 Milliarden (2008), 60,8 Milliarden (2009 Q3)
Leistungsbilanz: EUR 586 Millionen Überschuss (2009)
Export: EUR 54,8 Milliarden (Januar-November 2009)
Warenstruktur: Maschinen und Anlagen 60,6%, andere Industrieerzeugnisse: 26,6%,
Lebensmittel: 6,7%, Rohstoffe 2,4%, Brennstoffe und Elektrizität 3,7%
Partnerländer: Deutschland 26,6%, Italien 5,3%, Rumänien 5,3%, Österreich 4,9%
Import: EUR 54,2 Milliarden (Januar-November 2009)
Warenstruktur: Maschinen und Anlagen 49%, andere Industrieerzeugnisse 31,6%,
Brennstoffe und Elektrizität 12,8%, Lebensmittel 4,7%,
Partnerländer: Deutschland 25,5%, Russland 9,3%, Österreich 6,2%, China 5,7%,
Niederlande 4,5%, Frankreich 4,3%, Italien 4,2%, Polen 4%
Auslandsverschuldung: EUR 76,5 Milliarden
Währung (Code): Forint (HUF)
Wechselkurse: USD - 184,2 HUF, EUR - 267 HUF (November 2009)
Nationale Feiertage: 15. März, 20. August, 23. Oktober
Weitere Feiertage: Neujahr, Ostern, 1. Mai, Pfingsten, Allerheiligen, Weihnachten
Ungarns Außenhandel

Quelle: Statistisches Zentralamt
© ITD Hungary.
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